Hybrides arbeiten

Was das Büro wirklich leisten muss

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Dieser Beitrag ist Teil einer Serie, die untersucht, wie sich Arbeit verändert – und was das für Organisationen, Menschen und die Räume bedeutet, in denen sie arbeiten. In Gesprächen mit Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen bietet die Serie vielfältige Perspektiven auf die zentralen Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen.

 

Viele Organisationen tun sich weiterhin schwer damit, die Rolle des Büros in einer hybriden Arbeitswelt klar zu definieren.

Jeremy Myerson, emeritierter Professor am Royal College of Art und Gründer der WORKTECH Academy, erläutert, warum das Büro als Teil eines umfassenden Arbeitsökosystems gedacht werden muss – eines Systems, das Leistung, Vertrauen und Innovation fördert.

Image showing a headshot of Jeremy Myerson, international research leader specialising in the intersection of inclusive design, healthy cities and the future of work, on a green background


Work Better: Was verstehen Organisationen heute falsch an der Rolle des Büros?

Organisationen verkennen häufig, dass das Büro im Zeitalter von Hybrid- und Remote-Arbeit Teil eines wesentlich umfassenderen Arbeitsökosystems ist. Weil sie das Büro nicht als Element eines lebendigen Netzwerks, sondern als isolierte, rein technische Einheit betrachten, machen sie grundlegende Fehler.

Manchmal kehren Mitarbeitende in Büros zurück, die nicht modernisiert wurden – dabei zeigt die Forschung klar: Laute, überfüllte Arbeitsumgebungen will niemand. Was Menschen wollen, ist eine Arbeitsumgebung, die neu gedacht und weiterentwickelt wurde.

Manchmal wird hybrides Arbeiten zum Vorwand für drastische Flächenreduzierungen – mit dem Ergebnis, dass einfach nicht genug Platz da ist, wenn Mitarbeitende ins Büro zurückkommen. Ein bekanntes Beispiel ist Amazon: Das Unternehmen musste seinen Plan, Mitarbeitende wieder ins Büro zu rufen, in mehreren nordamerikanischen Städten verschieben – weil schlicht nicht genug Schreibtische vorhanden waren. Bei JP Morgan Chase beschrieben Mitarbeitende die Situation sogar als eine Art „Hunger Games“, bei denen man um einen Arbeitsplatz kämpfen musste.

Und selbst dort, wo Organisationen Arbeitsumgebungen neu gestalten und ausreichend Fläche schaffen, wird das Büro oft ausschließlich als Kollaborationsfläche verstanden – als permanenter Raum für Brainstorming. Dabei zeigt die Forschung klar, dass Menschen nicht nur für Zusammenarbeit ins Büro kommen möchten, sondern auch Orte für konzentriertes, ruhiges Arbeiten erwarten.

Insgesamt suchen Organisationen noch nach der richtigen Balance.

WB: Wohlbefinden, Nachhaltigkeit, bessere Arbeitserfahrung – was braucht es wirklich, damit Veränderungen im Büro ankommen?

Entscheidend sind die konkreten Angebote und Einrichtungen, die den Arbeitsalltag spürbar verbessern. Wer täglich einen langen Arbeitsweg hat, profitiert zum Beispiel von Echtzeitinformationen zum Verkehr. Wer mit dem Fahrrad kommt, schätzt Duschen und Reparaturmöglichkeiten. Und für Menschen mit speziellen Ernährungsbedürfnissen sind vielfältigere und bessere Essensangebote wichtig.

Darüber hinaus sollten Organisationen unterschiedliche Arbeitssettings bereitstellen: Räume für Meetings und Teamarbeit ebenso wie Bereiche für konzentrierte Einzelarbeit.

Manche neurodiversen Mitarbeitenden brauchen Stille und Rückzug – andere profitieren von einer lebendigen, anregenden Umgebung.

Die Belegschaft ist heute vielfältiger denn je. Umso wichtiger, dass Veränderungen am Arbeitsplatz durchdacht, inklusiv und wirklich auf den Menschen ausgerichtet sind.

WB: Ganz konkret: Welchen Unterschied macht inklusives, menschenzentriertes Design im Arbeitsalltag?

Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Neurowissenschaften und Umweltpsychologie gibt es zahlreiche Ansatzpunkte, um die physische und mentale Gesundheit von Mitarbeitenden zu fördern – und gleichzeitig Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen:

  • Bessere Luftqualität ist ein zentrales Thema. Ein Beispiel: 22 Bishopsgate, das höchste Gebäude Londons, verfügt über ein zentrales Logistikzentrum außerhalb der Stadt, um Lieferverkehr und Emissionen zu reduzieren.
  • Ein bewussterer Einsatz von natürlichem und künstlichem Licht.
  • Mehr Möglichkeiten für Arbeiten im Freien, etwa durch Terrassen oder Innenhöfe.
  • Biophiles Design, also der Einsatz von Pflanzen und natürlichen Materialien.
  • Ein stärkerer Servicegedanke, der das Büro wie einen Members’ Club begreift.
  • Ein ausgeprägteres Gemeinschaftsgefühl, unterstützt durch personalisierte Erlebnisse mithilfe von Apps und KI.

All das macht Arbeitsumgebungen gesünder, einladender und inklusiver.

WB: Wenn Sie Führungskräften heute einen Rat für die nächsten zehn Jahre geben müssten: Welches Prinzip sollte beim Neudenken von Arbeitsplätzen im Mittelpunkt stehen?

Meiner Ansicht nach sollte das zentrale Leitprinzip Leistung sein. Es wird viel über Nachhaltigkeit und Wohlbefinden gesprochen – zu Recht. Doch der grundlegende Zweck von Arbeitsplätzen, und das seit über 150 Jahren, liegt in der Förderung von Leistung.

An der WORKTECH Academy haben wir umfassend untersucht, wie Büros Leistung auf individueller, Team- und Organisationsebene unterstützen.

Auf individueller Ebene sollte die persönliche Zufriedenheit im Mittelpunkt stehen – mit der Tätigkeit, dem Arbeitgeber, vor allem aber mit der Arbeitsumgebung und den zur Verfügung stehenden Tools. Das Büro sollte genau das unterstützen.

Auf Teamebene ist Vertrauen der Schlüssel. Hilft das Büro dabei, Vertrauen aufzubauen – und Teams zu unterstützen, die immer größer, komplexer und verteilter arbeiten als je zuvor?

Und auf Organisationsebene geht es um Innovation und Wertschöpfung. Unterstützt das Büro die Entwicklung und Umsetzung von Ideen? Fördert die Arbeitsumgebung neues Denken? Können Innovatorinnen und Innovatoren Prototypen entwickeln und Pilotprojekte umsetzen?

Das sind die Fragen, die sich Unternehmen stellen müssen.

Über Jeremy Myerson

Jeremy Myerson ist emeritierter Professor am Royal College of Art und Gründer der WORKTECH Academy, einer globalen Wissensplattform zur Zukunft von Arbeit und Arbeitsplatz. Er ist Autor, Forscher und Vordenker zu den Themen Workplace Design, Leistung und inklusive Umgebungen.

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