Die Auswirkungen einer stimulierenden Lernumgebung auf die Motivation und das Engagement

Ein Pilotprojekt des Ohalo Academic Colleges in Katzrin (Israel) und Steelcase Education, das interaktive pädagogische Konzepte innerhalb eines aktiven Lernumfelds kombiniert.

EIN NEUER ANSATZ

Die dynamische und sich ständig wandelnde Welt von heute macht Anpassungen und Umstrukturierungen bei den pädagogischen Ansätzen notwendig: Studierende sind längst keine passiven Wissensempfänger mehr, sondern nehmen aktiv an der Generierung von Wissen teil. Diese Sichtweise verlangt nach grundlegenden Veränderungen im Lehrverhalten, ist aber auch eine Herausforderung für die Gestaltung von Lernräumen und das traditionell hierarchisch geprägte Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden.

Lernumgebungen von heute sollten flexibel und dynamisch sein, um sich an die aktuellen Bedürfnisse der Lehr- bzw. Lernprozesse anpassen zu können. Diese Flexibilität erleichtert Veränderungen bei den Interaktionen zwischen Lehrern und Studenten und verbessert den Erfolg vieler Lehr- und Lernmethoden, wie z.B. Vorlesungen, Peer-to-Peer Learning (gegenseitiges Lernen) und das Lernen in Gruppen.

Ebenso wichtig ist es, Informationen für Studierende leicht zugänglich zu machen. Lernumgebungen müssen daher über eine integrierte technische Infrastruktur verfügen, die die Zusammenarbeit mit Kommilitonen und den Austausch mit Lehrkräften unterstützt.

Lernumgebungen sollten aber auch Lernangebote eröffnen – Räume, die den Aufbau und das Weiterentwickeln von Wissen und Fähigkeiten vereinfachen. Im Zusammenspiel führen die Gestaltung von Lernräumen, die Integration von Techniklösungen und neue Lehrmethoden zu einem ganzheitlicheren, lernorientierten Raumkonzept.

PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Wissen um die Kluft zwischen modernen und traditionellen Ansätzen führte zu einem gemeinsamen Pionierprojekt der School of Education am Ohalo Academic College in Katzrin (Israel) und Steelcase Education.

Im Rahmen dieses Projekts ging es um die experimentelle Kombination interaktiver pädagogischer Konzepte innerhalb eines innovativen, technikunterstützten Lernumfelds. Dieses Umfeld sollte ein breites Spektrum an Interaktionen zwischen Lehrkräften und Studenten erlauben – durch verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten, die den Studierenden vielfältige Lernerfahrungen bieten.

Studien belegen, dass die Einrichtung eigens entwickelter Lernumgebungen sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Motivation und die Leistungen der Studenten beeinflussen können.

NEUE LERNERFAHRUNGEN

Ohalo arbeitete mit Steelcase Education zusammen, um gemeinsam eine Reihe von Unterrichtsräumen zu gestalten und auszustatten – und dadurch eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir wollten verstehen, in welchem Maße die Gestaltung des Lernumfelds die Lernmotivation verbessern kann und wie die Lehrkräfte den Einfluss der neuen Lernumgebungen im Vergleich zu traditionellen Klassenzimmern beurteilen.

Das Projekt beteiligte 87 multikulturelle Studenten und 12 Lehrkräfte des Ohalo Academic Colleges in Katzrin (Israel), die jeweils am Anfang und am Ende eines Semesters einen Online-Fragebogen zum aktiven Lernen ausfüllten, aus dem hervorgeht, inwieweit die neuen Räume ihren Anforderungen entsprechen.

GROSSES KLASSENZIMMER

Geeignet für bis zu 120 Studenten, die von drei Lehrkräften gleichzeitig betreut werden.

MITTLERES KLASSENZIMMER

Geeignet für bis zu 36 Studenten;
lässt sich leicht umkonfigurieren, um verschiedene Lernmethoden und pädagogische Konzepte zu unterstützen.

KLEINES KLASSENZIMMER

Geeignet für bis zu 16 Studenten; lässt sich leicht umkonfigurieren, um verschiedene Lernmethoden zu unterstützen.

LEARNLAB™

Geeignet für bis zu 28 Studenten; beseitigt die Barrieren beim Informationsaustausch, indem es den Menschen den gleichberechtigten Zugang zu Informationen bietet.


Folgende Parameter wurden beim Fragebogen zum aktiven Lernen thematisiert:

  • Fähigkeit zu Kreativität
  • Motivation zur Unterrichtsteilnahme
  • Fähigkeit zu Leistungsverbesserungen
  • Engagement im Unterricht
  • Zusammenarbeit
  • Konzentrationsfähigkeit
  • aktive Unterrichtsteilnahme
  • Möglichkeiten der Beteiligung im Unterricht
  • Nutzung vielfältiger Unterrichtsmittel
  • Feedback im Unterricht
  • Praxisnähe im Unterricht
  • optimale Lernmethoden
  • Bewegungsspielräume
  • Stimulationen
  • Leistung
  • Bereichernde Lernerfahrungen

EIN  ZYKLISCHES LERNMODELL

Der interaktive Prozess basiert auf einem zyklischen Modell des dynamischen Lernens, das sich von der individuellen Erforschung des Themas hin zur Gruppendiskussion bewegt.

Das Studieren beginnt auf der individuellen Ebene, darauf folgt der Austausch mit Kommilitonen und Gruppen unterschiedlicher Größe und schließlich die Ausbildung einer “Lerngemeinschaft.” Probleme und Fragen werden präsentiert und alle anderen sind dazu eingeladen, Antworten aus eigenen Online-Recherchen beizusteuern.

  1. Definieren des behandelten themas
  2. Recherchieren individuelle erforschung des themas
  3. Bestätigen der eingeschlagenen Richtung durch die Lehrkräfte
  4. Diskutieren der gewonnenen Erkenntnisse in kleinen Gruppen
  5. Lösen Suche nach der richtigen Lösung innerhalb der Gruppe
  6. Planen der nächsten Schritte
  7. Uberprüfen der Lösung und der Pläne durch die Lehrkräfte
  8. Umsetzen der Lösung

ERMUTIGENDE ERGEBNISSE

Über 80 Prozent der Befragten, die in den neuen Lernumgebungen lehrten oder lernten, berichteten von einem deutlichen Anstieg von Kreativität, Motivation und Engagement während des Unterrichts.

Die Lernumgebung vereinfachte die Techniknutzung und verlieh Lehrkräften und Studenten mehr Entscheidungsfreiheit – eine wesentliche Voraussetzung für Motivation. Zu beobachten war aber auch ein signifikanter Anstieg ihres Engagements.

PROZENTSATZ DER BEFRAGTEN, DIE VERBESSERUNGEN SEHEN IN

Lehrkräfte (n=15) Studenten (n=87)
Kreativität 100% 95%
Motivation 100% 87%
Leistung 93% 83%
Engagement 100% 92%

DURCHSCHNITTLICHE BEWERTUNG STUDENTEN

Neues Klassenzimmer Altes Klassenzimmer
Lehrmethoden 39% 27%
Lernräume 40% 25%

DURCHSCHNITTLICHE BEWERTUNG LEHRKRÄFTE

Lehrmethoden 41% 24%
Lernräume 42% 21%

Die verbesserte Qualität des Lehrens und Lernens beruht bei jedem Parameter insbesondere auf einer Vergrößerung der Bewegungsspielräume und der allgemeinen Stimulation.

Die Befragten bewerteten die Kategorien “Lehrmethoden” und “Lernräume” bei den neuen Unterrichtsräumen besser als bei den traditionellen Klassenzimmern und erlebten das Arbeiten dort auch als anregender.

Um den Studienerfolg zu optimieren, aber auch um wechselseitiges Lernen und generative Aktivitäten besser unterstützen zu können, muss sich das Lehren und Lernen weiterentwickeln.

Dieses Pilotprojekt zeigt, dass innovative Klassenzimmer und Lehrmethoden das Problemlösen, die Kommunikation und die Zusammenarbeit verbessern können – jene Fähigkeiten, die Studierenden von heute abverlangt werden.

LEHRMETHODEN LERNRÄUME

Neues Klassenzimmer Altes Klassenzimmer
Zusammenarbeit 100% 82%
Konzentrationsfähigkeit 92% 86%
Aktive Unterrichtsteilnahme 98% 82%
Möglichkeiten der Beteiligung 98% 92%
Vielfältige Unterrichtsmittel 100% 76%
Feedback im Unterricht 96% 82%
Praxisnähe im Unterricht 94% 84%
Optimale Lernmethoden 96% 76%
Bewegungsspielräume 100% 54%
Stimulationen 94% 64%
Einfache Unterrichtsteilnahme 100% 90%
Bereichernde Lernerfahrungen 96% 80%

ESPACES D’APPRENTISSAGE

New Classroom Old Classroom
Zusammenarbeit 98% 82%
Konzentrationsfähigkeit 96% 81%
Aktive Unterrichtsteilnahme 98% 82%
Möglichkeiten der Beteiligung 100% 72%
Vielfältige Unterrichtsmittel 98% 76%
Feedback im Unterricht 96% 76%
Praxisnähe im Unterricht 98% 68%
Optimale Lernmethoden 100% 70%
Bewegungsspielräume 98% 64%
Stimulationen 100% 78%
Einfache Unterrichtsteilnahme 98% 76%
Bereichernde Lernerfahrungen 100% 72%

 

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