Wohlbefinden

Setzen Sie auf Ihre fünf Sinne

Office Renaissance

Arbeitsplätze, die die menschlichen Sinne berücksichtigen – Sehen, Riechen, Hören, Schmecken und Fühlen – sind eher in der Lage, das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern.

Il Prisma, italienisches Planungsbüro und Steelcase Fachhändler, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Arbeitsplatz unter besonderer Berücksichtigung der fünf Sinne wieder menschlicher zu machen. Entsprechende Forschungsergebnisse wurden z.B. bei der Neugestaltung der Büroräume von LinkedIn in Mailand, München, Paris und Madrid angewandt – mit dem Ziel, die Mitarbeiter enger mit dem Unternehmen zu verknüpfen. „Unsere Untersuchungen belegen, dass eine sinnlich anregende Gestaltung die Konzentrationsfähigkeit und das Lernen bei der Arbeit verbessern“, sagt Elisabetta Pero, Architektin bei Il Prisma. Im Mittelpunkt der Projekte stand, die Sinne zu stimulieren anstatt sie zu dämpfen.

Selbst den besten Arbeitgebern mit den besten Arbeitsplatzlösungen – ergonomischen Sitzmöbeln, höhenverstellbaren Tischen, Ausblicken ins Freie, vielfältigen Pausenräumen etc. – fehlt oft etwas ganz Wesentliches. Wie sieht es beispielsweise mit den Farben der Wände aus? … mit den Gerüchen im Büro? … mit den Oberflächenbeschaffenheiten der Möbel? „Die Menschen erleben die Welt schließlich mit all ihren Sinnen“, sagt Pero.

Das Problem ist, dass sich die Zahl der Schreibtische, die Temperatur der Arbeitsumgebung, die Tageslichtmenge und der Geräuschpegel im Open Space leicht bestimmen lassen, während es zugleich kaum möglich erscheint, den Einfluss der fünf Sinne zu messen.

Die Architekten von Il Prisma waren überzeugt davon, dass diese Qualitäten über die ästhetische Intuition hinaus ermittelt werden können – und sollten. Also initiierten sie eine wissenschaftliche Studie, um herauszufinden, wie Büromitarbeiter von den fünf Sinnen neurologisch beeinflusst werden. Hierfür nutzten die Planer Elektroenzephalogramme (EEG) zur Messung der elektrischen Aktivitäten des Gehirns sowie einen Eyetracker zum Aufzeichnen der Blickbewegungen und der Veränderungen der Augenhornhaut. Die dabei gewonnenen Ergebnisse halfen, zu bestimmen, wodurch insbesondere jene mentale Zustände gezielt gefördert werden können, die die Menschen besser arbeiten lassen: Aufmerksamkeit, Konzentration, Lernen, Evokation, Verstehen und Entspannen.

360 Magazine Issue 71 Office Renaissance
LinkedIn, Monaco

Die Studie gliederte sich in zwei Phasen. Im ersten Teil erstellten die Architekten zwei völlig unterschiedliche Arbeitsumgebungen: einen neutralen und einen sinnlich gestalteten Raum. Als neutraler Raum diente ein Standard- Meetingraum mit weißem Besprechungstisch und gleichmäßiger Beleuchtung. Der sinnliche Raum hingegen war ausgestattet mit einem Tisch und (teilweise blau hinterleuchteten) Regalen aus duftendem, sägerauem Zedernholz, drei unterschiedlichen Design-Holzstühlen, einem mehrteiligen Stoff-Schiebevorhang sowie in den Regalböden ausgelegten Lebensmitteln. Die Versuchspersonen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils einen der beiden Räume nutzten, um einen Leistungstest zu absolvieren.

In der zweiten Phase wurden den Versuchspersonen Bilder mit verschiedenen Farbstimmungen und Motiven vorgelegt, z.B. ein Foto von blauem Stoff oder von unterschiedlichen Arten von Arbeitsplätzen. Dies rief neurologische Reaktionen hervor, die mit denen vergleichbar sind, die man beim Anfassen echter blauer Stoffe oder bei physischer Anwesenheit in diesen Büroräumen hätte.

Während man vermuten könnte, dass sich der sinnlich gestaltete Raum für alle Arbeitsaufgaben am besten eignet, fand Il Prisma heraus, dass die gleichzeitige Stimulation verschiedener Sinne – je nach Art der Tätigkeit – auch negative Auswirkungen auf das Arbeitsergebnis haben kann. „Der sinnliche Raum ist vielleicht zum Niederschreiben langer Texte gut, aber nicht unbedingt ideal für Problemlösungen in Gruppen“, erläutert Pero.

Studienteilnehmer im sinnlich gestalteten Raum lieferten gute Einzelergebnisse bei den Hörtests. „Als die Probanden hier lernten, studierten und Inhalte abspeicherten, konnten sie sich mehr Wörter merken und wiedergeben, und auch ihr Konzentrationsniveau war höher als im neutralen Raum“, sagt Pero. Zu den weiteren Ergebnissen zählt z.B. die Entdeckung, dass die Farben Blau und Grün sowie der Einsatz von Holz und anderen natürlichen Materialien Ruhe und entspannte Gehirnzustände förderten.

Ziel der Studie war weit mehr als nur das Entdecken von Regeln für die Gestaltung idealer Arbeitsplätze. Il Prisma nutzte die wissenschaftlichen Messmethoden vor allem, um menschlichere Gestaltungskonzepte entwickeln zu können. „Wir haben nicht versucht, eine festgelegte Datenmenge oder eine exakte Formel zur Planung sensorisch stimulierender Räume zu ermitteln“, sagt Pero. „Wir wollten vielmehr eine Methode finden, mit der sich Arbeitsumgebungen individuell einrichten lassen – gemäß der zu erledigenden Aufgaben und gemäß den Menschen, die hier arbeiten sollen.“


Die Sinne erleben bei LinkedIn

Im Mailänder Büro von LinkedIn konzipierten die Planer – unter dem Leitmotiv Transformation – fünf verschiedene Räume, die stellvertretend für fünf typisch italienische Orte stehen: ein Theater, ein Restaurant, eine Schneiderwerkstatt, ein Weinkeller und ein Garten. LinkedIn erweiterte die ersten Ergebnisse mit Anmerkungen, die Architekten bezeichnen dies als „emotionale Grammatik“, damit jeder Raum am Ende bestmöglich den dort ausgeführten Aufgaben entspricht.

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LinkedIn, Paris

Im Weinkeller etwa können die Mitarbeiter bei Musik und umgeben von Zedernholz ein Glas Wein trinken. Dieser Raum eignet sich ideal für vertrauliche Besprechungen oder Momente höchster Konzentration. In der Schneiderwerkstatt dagegen gibt es nur wenige sensorische Stimulationen, sodass sie sich gut für Meetings zur Bewältigung komplexer Probleme eignet. Hier finden sich unterschiedlichste Materialien, wie z.B. Stoffe und Metall, aber keine Farben oder Texturen, die eine unnötige Aufmerksamkeit wecken. Die Vielfalt der fünf Räume lässt ein Ökosystem an Räumen entstehen, sodass die Mitarbeiter – je nach aktueller Aufgabe – den Raum wählen können, der sie am besten unterstützt.

Die Forschungen von Il Prisma kommen zum Schluss, „dass die Mitarbeiter von heute nach Orten verlangen, die nicht antiseptisch und standardisiert, sondern individualisierbar und bedeutungsvoll sind.“

Die Botschaft an alle Unternehmen ist, dass die Sinne berücksichtigt werden sollten, um es den Mitarbeitern zu ermöglichen, jene Arbeitsumgebungen zu nutzen, die ihren Bedürfnissen am besten entsprechen.

Il Prisma hat die gesamte Studie im Buch „Now We Work“ veröffentlicht. Dieses Buch ist auch als Lehrbuch an europäischen Universitäten erhältlich.


Infokasten: Mentale Zustände

  • Aufmerksamkeit: Mitarbeiter sind empfänglich für äußerliche Reize.
  • Konzentration: Mitarbeiter sind in der Lage, sich im Umgang mit anderen oder bei der Arbeit auf Details zu konzentrieren.
  • Lernen: Mitarbeiter können Erinnerungen wachrufen, um Informationen zu bewerten. Ist dabei zugleich der Zustand Aufmerksamkeit aktiviert, heißt das, dass die Menschen die Informationen noch nicht in Wissen umgewandelt haben, und dass sie den Außenreiz als „Neuigkeit“ wahrnehmen.
  • Evokation: Mitarbeiter verknüpfen und vergleichen die Außenreize mit ihren eigenen Erfahrungen.
  • Verstehen: Mitarbeiter verstehen, was Außenreize bedeuten. Ist dieser Zustand nicht aktiv, befinden sich die Menschen in einer Phase der kognitiven Überanstrengung.
  • Entspannung: Mitarbeiter sind entspannt und bereit, sich effektiv mit der Umgebung auszutauschen. Ist dieser Zustand nicht aktiv, sind die Menschen gehemmt – was Entscheidungsfindungsprozesse behindert.

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