Technologie

Interview mit Cisco: Big Data – die neue Normalität

Laut dem Direktor für Technologie bei Cisco Spain wird die Informationstechnologie (IT) in den kommenden Jahren zum Herzstück von Unternehmen in aller Welt. Er gibt uns einen Einblick darin, wie die Arbeit sich verändern wird.

Die Menge verfügbarer Big Data, die Menschen und Unternehmen beim Treffen fundierter Entscheidungen helfen können, wächst weiter in atemberaubendem Tempo an. Als Direktor für Technologie bei Cisco Spain zählt Luis Palacios zu den Personen, die Unternehmen dabei helfen, nützliche Daten zu erfassen, zu analysieren und auf deren Basis zu agieren. Er hat mit 360° darüber gesprochen, wie unsere neue digitale Welt sich verändert und wie IT-Experten daran arbeiten, Unternehmen voranzubringen.

360: Big Data zieht sich wie ein roter Faden durch unser Leben. Sie sorgen dafür, dass die Daten erfasst, gespeichert und bei Bedarf genutzt werden können. Können Sie uns einen Eindruck davon verschaffen, wie groß diese Datenmengen sind?

Luis: Laut unseren eigenen Studien wird sich der globale IP-Traffic in den kommenden fünf Jahren bei einer kombinierten jährlichen Wachstumsrate von 22 Prozent im Jahresverlauf nahezu verdreifachen. Es werden mehr als eine Milliarde neue Internetnutzer zur globalen Netzgemeinde hinzustoßen, sodass die vor zwei Jahren ermittelte Zahl von drei Milliarden bis zum Jahr 2020 auf 4,1 Milliarden ansteigen wird. Big Data wird zur neuen Normalität. Man geht davon aus, dass der globale IP-Traffic 2,3 Zettabyte erreichen wird, was 12 Stunden Musikstreaming pro Tag oder 33 Stunden Streaming von Ultra-HD-Videos für jeden Menschen auf der Welt entspricht. Das ist die Menge des Datenverkehrs, die wir im Jahr 2020 haben werden. Das ist schon ziemlich beeindruckend.

In dieser neuen, dezentralisierten digitalen Welt sind Daten das strategisch wichtigste Wirtschaftsgut. Leistungsstarke Lösungen für die Datenanalyse sollen Unternehmen bei Verwaltung, Verständnis, Aufbereitung und Ermittlung von Informationen aus Daten unterstützen. Das größte Problem für alle wird sein, die Daten von den nützlichen Informationen zu trennen. Das ist der schwierige Teil. Wir sprechen hier von einer erheblichen Chance für viele Menschen; es werden zahlreiche neue Unternehmen entstehen, von denen wir uns jetzt noch gar kein Bild machen können.

360: Was würden Sie sagen, wie wichtig es für Unternehmen ist, sich darüber klar zu werden, wie sich Daten zu Geld machen lassen?

Luis: Ich denke, dieser Aspekt ist von wesentlicher Bedeutung. Datenbasierte Unternehmen sind 26 Prozent profitabler und die Wahrscheinlichkeit, dass sie schnellere Entscheidungen treffen, ist bei diesen Unternehmen fünf Mal so groß. Mit steigendem Datenvolumen werden die Herausforderungen definitiv größer. Wie lässt sich also daraus Geld generieren? Dafür muss die Möglichkeit einer hochgradig skalierbaren Datenanalyse über die Infrastruktur möglich sein. So ist die Nutzung der Daten im Netzwerk selbst schneller möglich, als wenn man alles zuerst zu herkömmlichen Datenzentren schicken und auf deren Analysebericht warten muss. Eine wirklich gute Infrastruktur ist enorm wichtig, da wir hier von immensen Datenmengen sprechen.

Cisco Q&A

360: Sehen Sie eine Veränderung bei den Fähigkeiten, die IT-Experten beherrschen müssen, um jetzt erfolgreich zu sein?

Luis: IT, so wie wir sie kannten, ist tot. IT-Mitarbeiter sitzen nicht länger nur an ihren Schreibtischen und beschäftigen sich mit nichts anderem als den eingehenden Problemen, die sie lösen sollen. IT ist heutzutage völlig anders. In den kommenden Jahren wird die IT weltweit zum Herzstück aller Unternehmen werden. IT hilft dabei, Unternehmen in die Wachstumszone zu führen. Die Technologie wird heute in anderer Form genutzt als es bislang der Fall war. Die Konsequenz ist, dass sich die Geschäftsprozesse in den Unternehmen ändern werden.

Voraussetzung dafür ist, dass es zunächst in jedem Unternehmen Änderungen in den Bereichen Unternehmenskultur und Ausbildung geben muss. Denn andernfalls treten die Veränderungen zu langsam ein. Dann reichen nicht zwei Jahre, sondern es dauert ganze zehn Jahre. Die Arbeit mit Big Data erfordert nicht nur Datenwissenschaftler bzw. Data Scientists, Analytiker und Softwareexperten, sondern auch Kommunikatoren, Kooperierende und Entwickler. Wir brauchen Menschen mit Empathie für die Kunden und mit der Fähigkeit, anderen zuzuhören und von ihnen zu lernen.

Man kann den Mitarbeitern nicht die richtigen Tools und Technologien bieten und gleichzeitig auf die notwendigen Aspekte der Unternehmenskultur, Möglichkeiten oder Räumlichkeiten verzichten, die es ihnen ermöglichen, diese Tools optimal zu nutzen und optimale Arbeit zu leisten.

360: Sehen Sie eine stärkere Konkurrenz bei dem Versuch, für Mitarbeiter, die diese Jobs ausüben können, attraktiv zu sein und diese dann auch an das Unternehmen zu binden, da heutzutage jedes Unternehmen auch ein Technologie-Unternehmen ist?

Luis: Absolut. Die Gewinnung von Mitarbeitern mit den entsprechenden Fähigkeiten wird zu einem zentralen Punkt jeder Unternehmensstrategie werden. Damit ein Mitarbeiter zufrieden ist und in meinem Unternehmen bleibt, muss ich ihm ein Angebot machen, das für ihn in den Bereichen Personalpolitk, Ausstattung, Technologie und Unternehmenskultur überzeugend ist.

Das Gesamtpaket muss stimmen; das ist es, woran wir glauben und bei Gesprächen mit unseren Kunden betonen. Denn man kann den Mitarbeitern nicht die richtigen Tools und Technologien bieten und gleichzeitig auf die notwendigen Aspekte der Unternehmenskultur, Möglichkeiten oder Räumlichkeiten verzichten, die es ihnen ermöglichen, diese Tools optimal zu nutzen und optimale Arbeit zu leisten.

360: Inwiefern verändert die agile Softwareentwicklung, d.h. eine Reihe von Methoden, bei denen Lösungen durch die Zusammenarbeit zwischen kompetenten, bereichsübergreifenden Teams entwickelt werden, die Arbeitsweise von IT-Experten?

Luis: In der Vergangenheit konnten wir zumeist warten, bis 20 Funktionen entwickelt waren, bevor ein Produkt vertrieben wurde. Jetzt beginnen wir mit dem, was wir morgen brauchen. Zum Beispiel können wir entscheiden, dass Telefonate über das Internet geführt werden sollen. Wir können mit einer Audiofunktion und einer Schaltfläche mit der Option „Anruf“ beginnen und die Markteinführung kann innerhalb von 15 Tagen erfolgen. Wir bringen die Lösung auf den Markt, erhalten Feedback und beginnen gleichzeitig mit der Arbeit an der nächsten Stufe. Es fließen direkt Einnahmen und wir machen auf der Grundlage des Kundenfeedbacks mit der Entwicklung der nächsten Funktion weiter.

360: Wie kann die Arbeitsumgebung Ihrer Meinung nach dazu beitragen, dass Mitarbeiter optimale Arbeit leisten?

Luis: Für mich ist ganz klar, dass wir uns inmitten eines Wandels befinden. Wir müssen jeden Tag verschiedene Arten von Arbeiten erledigen. Manchmal müssen wir uns konzentrieren. Und bei anderen Gelegenheiten müssen wir wiederum mit zwei oder drei anderen Kollegen oder einer größeren Gruppe aus sechs oder sieben Personen zusammenarbeiten.

Die Arbeitsumgebung ist ein wichtiger Aspekt. Die Mitarbeiter müssen wissen, dass sie keinem Unternehmen einer bereits vergangenen Epoche beitreten. Es geht um mehr als um die Farbe des Teppichs. Es geht um das Gesamtpaket. Es geht um die Nutzererfahrung. Als Mitarbeiter musst du dir deine Arbeitsumgebung auf der Basis dessen aussuchen können, was du in der nächsten Stunde zu tun hast. Zwei Stunden später musst du dir wiederum einen anderen Platz zum Arbeiten suchen können. Und wenn du als Mitarbeiter von zu Hause aus arbeitest, dann müssen die Technologie und die Personalpolitik das zulassen. Unternehmen sollten verschiedene Bereiche in den Büros einrichten, die unterschiedliche Arbeitsstile durch optimales Licht, entsprechende Bilder, Tische, Videoanbindung, Telefon, Whiteboards, digitale Whiteboards usw. unterstützen.


Cicso Q&A

Luis Palacios ist Direktor für Technologie bei Cisco Spain. Er arbeitet bei Cisco Spain an Lösungen für Netzwerke und Datenzentren sowie an Technologien wie Spark Board und WebEx.

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