Nachhaltigkeit

Steelcase als Finalist bei The Circulars nominiert

Das weltweit wichtigste Auszeichnungsprogramm für die Kreislaufwirtschaft wählt Steelcase unter die sieben international führenden Unternehmen

Denim

Herstellen, nutzen, entsorgen und das immer wieder. Dieses Prinzip der Linearwirtschaft hat lange Zeit unser Leben geprägt – und ist nun ein Auslaufmodell. Die Kreislaufwirtschaft zielt nicht nur darauf ab, dieses alte Modell zu ersetzen, sie will auch Unternehmen, Communitys und die nächste Generation von Vordenkern dazu inspirieren, regenerative Ansätze für die Wirtschaft und unser Leben zu entwickeln. Unternehmen sind hierbei führend: Sie erfinden ihre Produkte und Dienstleistungen neu und restrukturieren ihre Geschäftsmodelle, um auf diese Weise neue Werte zu schaffen.

The Circulars – das weltweit wichtigste Auszeichnungsprogramm für die Kreislaufwirtschaft – würdigt jedes Jahr die Leistungen herausragender Unternehmen. Steelcase gelangte zusammen mit sechs anderen multinationalen Unternehmen, die zugleich das Wachstum und die Nachhaltigkeit vorantreiben, in die Endrunde der Circular Economy Awards 2018.

Diesen Punkt zu erreichen, war nicht einfach, schließlich wurden die Finalisten aus fast 300 Einsendungen aus über 45 Ländern ausgewählt. Gewinner der Kategorie „Multinational“ war IKEA – Steelcase wurde zusammen mit Google, dem Wertstoffrecycling-Unternehmen GEM, dem Energiekonzern Enel und den Textilhandelsunternehmen C&A und H&M als Finalist nominiert. Nach 106 Jahren in der Möbelindustrie macht diese Nominierung deutlich, dass das langjährige Engagement von Steelcase für eine kreislaufbasierte, nachhaltige Wirtschaft Erfolg hat.

Was genau bedeutet Kreislaufwirtschaft?

Vereinfacht gesagt, fördert die Kreislaufwirtschaft die Idee, Ressourcen so lange wie möglich zu nutzen und Produkte nach ihrer Nutzungsdauer zu verwerten und/oder in etwas Neues zu verwandeln. Es geht nicht nur darum, Abfälle zu vermeiden und Materialien stattdessen wiederzuverwenden, wiederaufzubereiten und neu zu gestalten. Vielmehr sollte diese Denkweise während des gesamten Designprozesses Berücksichtigung finden – und nicht nur am Ende. Das hiervon geprägte Cradle-to-Cradle-Konzept, bekannt geworden durch das wegweisende Buch „Cradle-to-Cradle: Remaking How We Make Things“ von Michael Braungart und William McDonough, ist für die Produktentwicklungsverfahren von Steelcase maßgeblich.

Surface Materials
Durch das Mischen von PET aus recycelten Flaschen und aufgelösten Stoffresten hat Steelcase New Black entwickelt – eine Serie von fünf Textilien, die zu 100 Prozent aus recyceltem Material bestehen.

“Circular Economy 100“ der Ellen MacArthur Foundation ist ein Netzwerk, in dem Steelcase und gleichgesinnte Unternehmen und Organisationen Best Practices austauschen, Unterstützung finden und neue Partnerschaften schließen können, um den Wandel voranzutreiben. Die Foundation beschreibt die Kreislaufwirtschaft als das Ziel, „das Wachstum neu zu definieren und sich dabei auf gesamtgesellschaftliche Vorteile zu konzentrieren. Dies beinhaltet auch die schrittweise Abkopplung der Wirtschaftstätigkeit von der Verwendung endlicher Ressourcen sowie abfallfreie Herstellungsprozesse.“ Die Teilnahme am CE100-Netzwerk ist eine von vielen Möglichkeiten, mit denen Steelcase die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft über die Möbelindustrie hinaus vorantreibt.

Die Juroren von The Circulars bewerteten, welchen Stellenwert Innovationen in der aktuellen Geschäftspraxis der Unternehmen haben und wie gut Kreislaufwirtschaftsmodelle integriert sind. An Steelcase besonders beeindruckend fanden sie folgende fünf Aspekte:

  • das klare Bekenntnis für kreislaufwirtschaftliche Denkweisen und Strategien
  • die weltweite Führungsposition durch mehr als 50 Cradle-to-Cradle-zertifizierte Produkte sowie den konsequenten Fokus auf Verbesserungen im Design
  • das Erkennen des geschäftlichen Nutzens der Einführung kreislaufbasierter Geschäftsmodelle durch Produkt-Service-Systeme, wie z.B. Programme zur Wertstoffverwertung und Wiederverwendung (Eco’Services, Phase 2), Pay-for-Use (Event Experiences) und andere alternative Eigentumsmodelle
  • die Ansätze zur Erforschung zukünftiger Geschäftsmodelle und Technologien im Sinne kreislaufwirtschaftlicher Innovationen
  • ein Implementierungskonzept mit einem Strategieplan für Arbeitsabläufe, der den Aufbau von kreislaufbasierten Innovationspotenzialen, die Etablierung einer material- und produktbezogenen Nachhaltigkeitsperformance sowie die Schaffung der Grundlagen für Business Excellence umfasst

Jenseits der Produkte: die Steelcase-Geschäftsmodelle für die Kreislaufwirtschaft

Für Angela Nahikian, Director of Global Sustainability bei Steelcase, sind Geschäftsergebnisse und Nachhaltigkeit eng miteinander verknüpft. Die Neuentwicklung von Geschäftsmodellen auf Grundlage der Kreislaufwirtschaft ist etwas „sehr Unternehmerisches“, sagt sie. Laut Schätzungen der Ellen MacArthur Foundation und des Partners McKinsey & Company könnte die Einführung von Kreislaufwirtschaftsprinzipien bis 2030 wirtschaftliche Vorteile in Höhe von 1,8 Billionen Euro für Europa bedeuten – eine Umsatzverdopplung im Vergleich zum aktuellen linearwirtschaftlichen Modell. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch viele Unternehmen unterschiedlicher Branchen, die eine Verdopplung bis Versechsfachung der potenziellen Umsätze prognostizieren. „Wenn die Menschen zu verstehen beginnen, wie Kreislaufstrategien funktionieren, dann werden die Vorteile für den Kundennutzen, das Wachstum und die Nachhaltigkeitsperformance offensichtlich“, sagte Nahikian auf der GreenBiz-17-Konferenz in Phoenix, Arizona.

Mit einer unternehmerischen und innovatorischen Haltung verfolgt Steelcase einen systemorientierten Ansatz für Design-, Problemlösungs- und Zukunftsstrategien. Systemdenken bedeutet die ganzheitliche Betrachtung – durch eine Analyse der Abhängigkeiten und Beziehungen zwischen den einzelnen Facetten eines Systems. „Für die Menschen ist es verlockend, sich nur auf einen kleinen Teil der Nachhaltigkeitsprobleme, wie z.B. Produktabfälle, zu konzentrieren. Diese sind natürlich wichtig, dennoch müssen wir sie als das betrachten, was sie wirklich sind – Symptome einer viel größeren Problematik: ein nicht nachhaltiges Wirtschaftsmodell. Die Kreislaufwirtschaft macht es erforderlich, das gesamte Geschäftssystem zu betrachten“, erklärt Nahikian.

Steelcase Series 1 – ein Stuhl, der gleichermaßen nachhaltig, hochwertig, ergonomisch, ästhetisch und preisgünstig ist – besteht bis zu 23 Prozent aus recyceltem Material und ist bis zu 95 Prozent recycelbar. Mit der New-Black-Polsterung verfügt der Stuhl über einen noch kleineren ökologischen Fußabdruck.

Dieses Systemdenken inspiriert die Weiterentwicklung und Verbreitung der kreislaufbasierten Geschäftsmodelle von Steelcase. Dan Dicks, Director of Global End-of-use Services bei Steelcase, betont, wie wichtig es ist, sich auf Schlüsselkompetenzen zu fokussieren, die dann mithilfe von Kreislaufwirtschaftsinitiativen auszubauen sind. „Es ist unmöglich, alles zu machen. Stattdessen sollte man mit jenen Bereichen beginnen, die die Kreislaufmodelle zum Funktionieren bringen“, sagt er und fügt hinzu, dass er und sein Team die Dinge „langsam und bewusst“ angehen.

Beispielsweise sind sie für die Rückgewinnungs- und Wiederverwendungsprogramme zuständig, die Unternehmen bei der Beurteilung ihres Möbelinventars und bei der Planung optimierter Wiederverwendungen helfen. Diese Strategie funktioniert: Im Jahr 2016 wurde im Rahmen eines Projekts das Mobiliar von 2.200 Arbeitsplätzen aus drei verschiedenen Gebäuden des französischen Umweltministeriums abtransportiert. Insgesamt ging es dabei um mehr als 12.000 m3 Möbel, die nicht auf der Mülldeponie landeten, sondern Recyclingkreisläufen zugeführt oder von anderen Unternehmen weiterverwendet wurden.

Möbel sind nicht das Einzige, dem Steelcase zu einem neuen Leben verhilft. So bilden Stoffreste unserer Produktionsstätte in Athens, Alabama, die Basis für die New-Black-Kollektion. Die Stoffreste werden dabei zu Garn recycelt, schwarz gefärbt und zu neuen Bezügen für Sitzmöbel verarbeitet. Aus dem zu 100 Prozent recycelten Material entstehen auf diese Weise fünf sehr ästhetische Muster, die kreislaufbasierte Materialien ins Büro bringen. Die Designbranche würdigte New Black auf der Neocon 2016 mit dem Innovation Award.

Eichen- und Walnussfurniere in Plankenoptik sind weitere Beispiele für nachhaltige Materialien von Steelcase. Früher erfüllte Holz mit hohem Astanteil oder ungleichmäßiger Maserung nicht die Produktionsstandards, sodass übrig gebliebene Eichen- und Walnussholzteile weggeworfen, recycelt oder weiterverkauft wurden. Heute entstehen aus den einst unbrauchbaren Hölzern einzigartige Möbelstücke, die Äste, Maserungen und Farbunterschiede hervorheben und den Kunden so jene informelle Optik bieten, die die Menschen bei der Arbeit suchen.

Um zu vermeiden, dass Holzreste zu Abfall werden, entdeckte das Steelcase Operations Team ein neues Materialangebot: Furnier in Plankenoptik.
Dieses neue Angebot, das die Einzigartigkeit des Holzes durch das Nebeneinanderfügen unterschiedlicher Restfurniere hervorhebt, hat bereits eine Million US-Dollar und das Holz von über 400 Bäumen eingespart.

Ein weiterer von der Kreislaufwirtschaft inspirierter Service hilft Kunden dabei, Raumnutzungen besser zu verstehen, sodass sie fundierte Entscheidungen über Veränderungen treffen können. Workplace Advisor nutzt eingebaute Sensoren, die Daten darüber sammeln, wie Mitarbeiter Räume nutzen, und liefert dadurch wertvolle Erkenntnisse für die Arbeitsplatzstrategien eines Unternehmens. „Anstatt Möbel einfach irgendwo abzustellen, können wir Nutzungsmuster, Performances, das Wohlbefinden und die Zusammenarbeit analysieren – also all das, was Arbeitsplätze wirklich ausmacht. Wir können Vorschläge für Veränderungen dieser Faktoren machen und diese Arbeitsumgebungen zusammen mit unseren Kunden optimieren“, sagt Nahikian.

Circular Economy
Steelcase wird das Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft durch vielfältige Erkundungen und Kooperationen mit innovativen Unternehmen weiter vorantreiben. In einem aktuellen Projekt arbeitet Steelcase mit Natural Fiber Welding zusammen, um recycelten Denim Stoff so zu verfestigen, dass es möglich wird, daraus eine Tischplatte herzustellen, die komplett aus gebrauchten Jeans besteht.

Die Kreislaufwirtschaft erfordert neue Wege

Das Einschlagen neuer Wege ist für den Übergang von der linearen zur Kreislaufwirtschaft entscheidend, aber nicht über Nacht möglich. „Die Entwicklung und Umsetzung voll funktionsfähiger Kreislaufmodelle kann bis zu einem Jahrzehnt oder länger dauern. Doch schon die ersten Vorteile dieser Veränderungen können für Kunden, Partner und Unternehmen gravierend sein“, erklärt Nahikian. „Hierbei handelt es sich um einen wohl überlegten Prozess, der ein langfristiges Engagement, eine enge Zusammenarbeit und klare Zielvorstellungen erfordert.“

Steelcase verfolgt seit seiner Gründung das Ziel, nachhaltige Geschäftsinnovationen voranzutreiben. Es ist eine große Herausforderung, existierende Prinzipien und Prämissen in Frage zu stellen, aber Steelcase hat genau das immer wieder gemacht. „Nachhaltigkeit hatte für uns schon immer damit zu tun, Werte zu schaffen. Nun wird es aber noch spannender: Die Kreislaufwirtschaft ist Ausdruck unseres Unternehmenszwecks“, sagt Nahikian.

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