Kreativität

Sieben neue Einflüsse auf die Arbeitsplatzgestaltung im Jahr 2018

Die sich rasch wandelnde Arbeitswelt führt zu neuen Trends rund um die Themen Kreativität, Gemeinschaft und Verantwortungsbewusstsein.

Umami

Rein auf Effizienzthemen fokussierte Arbeitsumgebungen spielen kaum mehr eine Rolle, während Themen wie Nachhaltigkeit, Gemeinschaft, Vielfalt und Lifestyle zunehmend an Bedeutung gewinnen. Doch welche Einflüsse auf die Arbeitsplatzgestaltung werden den Arbeitsplatz in diesem Jahr prägen? Cherie Johnson, Steelcase Global Design Director, und Julie Yonehara, Steelcase Surface Materials Designer, arbeiten mit Teams in Michigan, München und Hongkong zusammen, um zu verstehen, warum bestimmte Gestaltungselemente immer mehr gefragt sind. Hier erläutern sie sieben neue Trends, die ins Spiel kommen werden, wenn es in diesem Jahr um die Arbeitsplatzgestaltung geht.

Einbeziehung der Geschichte

In Gebäuden, die zu kreativen Arbeitsorten umgebaut werden, sind Raumplaner für Cherie Johnson so etwas wie Entdecker, die nach Inspiration suchen. Sorgfältig bewahren sie jene Teile der Innenarchitektur, die die Einzigartigkeit des bestehenden Gebäudes widerspiegeln. Indem sie neue Arbeitskulturen auf sinnvolle Weise mit der Identität des Orts, der Gemeinschaft und der Unternehmensmarke verbinden, sorgen sie überall in der Welt für authentische Arbeitsplätze. Johnson sagt, dass sich die Mitarbeiter nicht isoliert fühlen wollen, sondern vielmehr nach einer engen Verbindung zur Geschichte und Bedeutung ihrer Arbeitsorte suchen. Der neue kreative Impetus besteht darin, die authentischen Schichten der Geschichte zu enthüllen und sorgfältig mit neuen Schichten zu kombinieren.

Raumplaner beschäftigen sich damit, wie reale Orte sich von der digitalen Welt abgrenzen lassen und wodurch sich Gebäude einer Stadt von ähnlichen Gebäude in anderen Städten unterscheiden. Die urbanen Zentren der Welt stammen aus verschiedenen Epochen. Je nach Entstehungszeit waren bestimmte Materialien verfügbar und populär. Heutige Gestalter können diese Bausteine der Geschichte nutzen, um einmalige individuell zugeschnittene Räume zu schaffen und dadurch Alt und Neu in ein spannungsvolles Verhältnis zu bringen. Der Wunsch, die Geschichte zu erfassen und zu verstehen, erweitert den Designprozess um einen spannenden Dialog mit der Authentizität und Einzigartigkeit jahrhundertealter Gebäude.

Inspirationen aus aller Welt

Neue Technologien ermöglichen es uns, jederzeit auf Bilder, Themen und Projekte aus aller Welt zuzugreifen, und so erhalten auch Raumplaner dort immer mehr Inspirationen. Im Jahr 2017 beispielsweise tauchte der Begriff „hygge“, das dänische Wort für „gemütlich“, immer häufiger im Zusammenhang mit Arbeitsplätzen auf, weil die Menschen nach informelleren und wohnlicheren Arbeitsumgebungen suchten. Jetzt, 2018, sieht Julie Yonehara in Wabi-Sabi (ein japanisches ästhetisches Konzept auf der Grundlage von Natur und Unvollkommenheit) einen wesentlichen Einfluss auf den Arbeitsplatz. Für Cherie Johnson bedeutet dies zugleich auch ein Wiederaufleben des Ethos von Ikebana – die japanische Kunst des Blumenarrangierens, die das Bewusstsein der Menschen für das Schöne stärken soll.

Technik und Handwerk

Das globalisierte Umfeld von heute macht verschiedenste Kulturen und Formen des Handwerks zugänglich. Die Fertigungstechniken und Visualisierungstools, die Planern nun zur Verfügung stehen, ermöglichen den Einsatz von Methoden, die einem breiteren Publikum früher nicht zugänglich waren. Shibori, eine japanische Technik zum Färben von Textilien, und Sho Sugi Ban, eine japanische Verkohlungstechnik für Holz, sind zwei Beispiele von einst unbekannten Möglichkeiten, die jetzt genutzt werden, um Leben ins Büro zu bringen.

Julie Yonehara sagt, dass dieses Nebeneinander von Handwerk und Technik gleichermaßen für Authentizität und Leistungsfähigkeit steht. 3D-Drucker können beispielsweise dafür sorgen, dass Leuchten und keramische Accessoires sowohl leichter herstellbar als auch besser für Büros geeignet sind. Das Handwerk lässt sich mithilfe technischer Lösungen neu definieren, indem verschiedene Leistungsmerkmale hinzugefügt werden.

Biophilie 2.0

NeoCon 2017

Wenn wir den ganzen Tag von digitalen Tools umgeben sind, sehnen wir uns umso mehr nach der Natur, erklärt Johnson. Biophilie der angeborene Wunsch der Menschen, der Natur nahe zu sein – ist zurzeit hochaktuell, weil wir eine Balance brauchen zwischen der digitalen Welt und den regenerativen Eigenschaften der Natur, die unser Wohlbefinden stärken. Biophile Elemente treten vermehrt in Bereichen zur Regeneration und Konzentration auf, wo wir die wohltuende Wirkung der Natur häufiger benötigen.

Zeit ist ein Luxus, und so wünscht sich Johnson überall im Büro mehr Rückzugsbereiche, in die sich Mitarbeiter begeben können, insbesondere, wenn sie Zeit und Ruhe zur Entwicklung kreativer Lösungen brauchen. Bei einem aktuellen Blick auf das Ökosystem von Räumen, das den Menschen bei der Arbeit zur Verfügung steht, sieht Johnson den Bedarf nach insgesamt mehr natürlichen Elementen, sodass die Mitarbeiter ihren Schreibtisch für eine Weile verlassen können, um sich kurze Auszeiten zu nehmen. Raumplaner werden auch in Zukunft immer wieder nach neuen Wegen suchen, um die regenerative Kraft der Natur am Arbeitsplatz zu nutzen.

Vielfältige Materialien

Angesichts der immer vielfältigeren Kulturen und Generationen in einem Büro, tendieren die Menschen zu natürlicheren und deutlicher strukturierten Oberflächenmaterialien. Wenn Menschen Räume mit vielfältigen Materialien, Farben und Raumlösungen angeboten bekommen, dann werden sie einen zur Erledigung ihrer Aufgaben geeigneten Raum finden. Für Johnson geht es aber um mehr, als nur den richtigen Ort für bestimmte Arbeitsweisen zu finden. Materialien schaffen ein emotionales Wohlbefinden, und sie helfen einer größeren Anzahl von Menschen dabei, den Ort zu finden, der tatsächlich zu ihnen passt.

Yonehara fügt hinzu, dass sie sich auch in Bezug auf die Materialien ein größeres Verständnis für das Bedürfnis nach Regeneration am Arbeitsplatz wünscht. Neue Technologien helfen uns zwar, produktiver zu sein, doch das bedeutet eben auch, dass wir mehr Erholungsmöglichkeiten brauchen. Und so sieht sie vielfältige neutrale, durchsichtige und abgetönte Farben und Textilien mit einer angenehmen Haptik im Kommen, die für Entspannung und Komfort am Arbeitsplatz sorgen.

Mit Daten gestalten

Die Welt der Daten durchdringt zunehmend die Arbeitsumgebung, und so wird auch der Austausch zwischen Raumplanern und Kunden immer wichtiger. Planer, die mit Kunden über Veränderungen von Räumen und Kulturen sprechen, profitieren von objektivierbaren Raumdaten, die dazu beitragen, die Angst vor dem Unbekannten zu beseitigen. Braucht jeder Mitarbeiter einen eigenen Arbeitsplatz oder ein eigenes Büro? Oder sind nicht mehr Rückzugsräume und offene Teambereiche besser für die Teams? Mit Sensoren am Arbeitsplatz können Unternehmen herausfinden, wie oft die Mitarbeiter ihren Schreibtisch nutzen und durch welche Arten von Räumen sie am besten unterstützt werden. Daten helfen Raumplanern und Unternehmen dabei, schneller zu geeigneten Gestaltungslösungen zu gelangen.

Digitale Tribalisierung

Neue Technologien mindern die Distanz zwischen Raumplanern und Kunden. Die Menschen sind digital so miteinander verbunden, dass sie in der Lage sind, ihre persönlichen Gestaltungsvorstellungen jederzeit zu entwickeln und zu verfeinern. Gefühlte Reaktionen auf Bilder, die wir online oder in sozialen Netzwerken finden, können aber dazu führen, dass ein Kontext entsteht, der nur zu unserer persönlichen Sicht passt. Wir „mögen“ und „liken“, wenn wir uns zu etwas hingezogen fühlen, woraufhin Filter zum Einsatz kommen, die uns mit noch mehr dieser Präferenzen versorgen und dadurch unsere Perspektive unabsichtlich einengen.

Diese digitale Tribalisierung verändert das Gespräch zwischen Raumplanern und ihren Kunden. Für Johnson ist klar, dass Virtual Reality und Augmented Reality zur Überbrückung dieser Kluft zwischen den individuellen Präferenzen der Kunden und der ganzheitlichen Sicht des Planers auf den Arbeitsplatz beitragen werden. Laut International Data Corp. werden die weltweiten Umsätze für Augmented und Virtual Reality im Jahr 2020 voraussichtlich bei 162 Milliarden US-Dollar liegen.

Die Trends, die Johnson, Yonehara und ihre Teams auf der ganzen Welt beobachten, entwickeln sich ständig weiter. Bleiben Sie auf dem neuesten Stand der Arbeitsplatzforschung und abonnieren Sie das 360-Magazin und die 360° Real Time Podcasts auf iTunes oder SoundCloud.

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