Kreativität

Participate: Die Kultur der kundenspezifischen Maßanfertigung

Participate Culture of Customization

Participate erforscht, wie die Denkweisen von Coalesse in die Co-Gestaltung von Produkten einfließen. Erfahren Sie mehr darüber, wie es Coalesse gelingt, in einem neuen Zeitalter der Beteiligung mehr Raum für persönlichen Ausdruck zu schaffen.

Verstärkt durch die neuen Individualisierungsund Beteiligungsmöglichkeiten bei der Entwicklung kundenspezifischer Produkte, werden Maßanfertigungen heute vor allem an der Schnittstelle zwischen Großkundenund Endverbrauchermarkt immer häufiger. Coalesse untersucht, wie sich die Maßfertigung innerhalb der Welt der Gestaltung verändert hat – beeinflusst sowohl von der Wertschätzung und Tradition des Handwerklichen als auch von den neuen Technologien, die die Menschen intensiver als je zuvor in den Produktentstehungsprozess miteinbeziehen.

360 Magazine Issue 71 Office Renaissance


Das Zeitalter des Handwerks

Setzen Sie ein Zeichen.
Seien Sie eine Muse.

Gegenstände vor ihrer Herstellung nach eigenen Vorstellungen perfektionieren und verfeinern zu können, wurde über Jahrhunderte als Privileg angesehen, als Exklusivität des Maßgeschneiderten. Die besondere Ausstrahlung von Maßanzügen, speziell angefertigtem Schmuck, ja selbst auf Bestellung eigens zubereitetem Essen oder Kaffee bewahren den hohen Wert des individuell Angefertigten.

Die Ursprünge des Maßgefertigten liegen im Zeitalter des Handwerks und seinem Wiedererwachen in der heutigen Maker-Bewegung: mit viel Handarbeit entstehen dabei Produkte, deren Einzigartigkeit, Qualität und Status durch die besondere Kunstfertigkeit und Gestaltung auf den Nutzer übergehen. Im Mittelpunkt stehen handverlesene Zutaten, die Langsamkeit des Tuns und das Erzählen guter Geschichten. Da dies dem Gegenteil moderner Fertigungslinien entspricht, werden die Produkte auch eher zeitaufwendig und oft kostspielig als Einzelstücke unter sehr fachmännischen Bedingungen hergestellt. Die Welt des Maßgefertigten ist begehrenswert und anspruchsvoll, weil sie einzigartig, künstlerisch und modisch ist.

360 Magazine Issue 71 Office Renaissance

Bezeichnenderweise leitet sich das englische Wort „customize“ (maßfertigen) ursprünglich vom französischen Wort für „costume“ (Kleidung) ab, sodass das Thema Mode bei maßgefertigten Produkten eigentlich immer eine Rolle spielt – der ursprüngliche „customer“ (Kunde) war daher auch eher ein Patron und weniger ein Käufer oder Konsument.

In einer Zeit, in der das Wohn- und Produktdesign an Bedeutung zunimmt, kommt dieses Phänomen in der engen Beziehung zwischen Kunden und Architekten bzw. Designern zum Ausdruck. Als Spezialisten werden sie beauftragt, aus einer Vielzahl einzigartiger Zutaten sehr kundenspezifische Lösungen zu schaffen. In diesem Sinne umfasst das maßgeschneiderte Ergebnis nicht mehr nur ein Einzelobjekt, sondern die Summe von Einzelteilen – entstanden im Rahmen eines Objektentwurfs oder einer Raumgestaltung.

Doch wie lassen sich diese Werte auf den noch umfassenderen Bereich der Arbeitsplätze übertragen? Wie können wir die Qualitäten einer Maßanfertigung einsetzen, die einer viel größeren Gruppe von Menschen oder unterschiedlichsten Produkten einen persönlichen Ausdruck verleihen soll? Was brauchen Designer, um unpersönliche Büros zu beleben… und die Vorherrschaft der in ihnen aufgestellten Möblierungen zu überwinden?

Originäre, eigens angefertigte Objekte oder Raumausstattungen stehen für die erste Welle der Maßanfertigung. Der Patron, oder Kunde, ist der Empfänger eines gewünschten Ergebnisses. Im Mittelpunkt stehen die Künstler, wie z.B. die Designer, Architekten oder Ateliers, die etwas für oder über uns geschaffen haben, aber nicht wirklich durch oder mit uns. Wir selbst nehmen die Rolle des faszinierten Zuschauers ein. Die Opportunitätskosten sind hoch, die Beteiligung eher gering.

„Die Ursprünge des Maßgefertigten liegen im Zeitalter des Handwerks: mit viel Handarbeit entstehen Produkte, deren Einzigartigkeit, Qualität und Status durch die besondere Kunstfertigkeit und Gestaltung auf den Nutzer übergehen.“


Das Monogramm der Masse

Machen Sie es besser.
Es ist Ihres.

Der Aufstieg der Verbraucherwirtschaft sorgte dafür, dass mehr und bessere Designlösungen einer breiteren Bevölkerung zugänglich gemacht wurden. Moderne Herstellungsmethoden erlauben eine standardisierte Qualität, nehmen den einzelnen Produkten aber zugleich die Einzigartigkeit. Ein Smartphone ist ein großartiges Stück Industriedesign, und selbst die zweckmäßigsten Jeans sind kleidsamer als je zuvor. Doch mein Einkauf sieht fast genauso aus wie der Einkauf eines jeden anderen. Unterschiedliche Smartphone- oder Jeansmarken bringen uns sicherlich eine gewisse Vielfalt, doch wo ist eigentlich die kundenspezifische Maßanfertigung von Massenware?

Im Zeitalter der Lagerware ändern wir die Dinge, nachdem sie hergestellt sind. Dieses nachträgliche Ausstaffieren oder Verschönern erlaubt wirkungsvolle Formen der Selbstdarstellung: Das Smartphone wird in eine Schutzhülle unserer Wahl gepackt, der Touchscreen zeigt ausgewählte Bilder und eigene Klingeltöne sorgen für Individualität. Jeanshosenund -jacken verfügen über Flicken oder Risse und werden hell gebleicht oder dunkel gefärbt. Wir drücken unseren Dingen unseren Stempel auf – man könnte dies als Monogramm der Masse bezeichnen.

360 Magazine Issue 71 Office Renaissance

Die Personalisierung ist die zweite Welle der Maßanfertigung. Wie die maßgeschneiderte Gestaltung führt auch dies meist zu nur einem Ergebnis: die Menschen machen es sich zu eigen – im fest in ihnen verankerten Wunsch, Dinge zu ornamentieren, zu bebildern und unterscheidbar zu machen. Doch die Personalisierung trägt zunehmend den Wunsch nach Beteiligung in sich, danach, Teil des Produktionsprozesses zu werden. Die wachsenden Einflüsse der persönlichen Styles bringen Hersteller sogar dazu, Produkte mit noch mehr jener anpassbaren Zutaten und Add-ons auszustatten, die sich die Nutzer so wünschen. Die Auswahl, die wir hier treffen, ist für jeden Einzelnen unglaublich bedeutungsvoll – auch wenn sie nur Oberflächen betrifft und zudem meist Dekoration ist.

Diese Art der Personalisierung hat uns die Freiheit geschenkt, das Aussehen von praktisch allen unverzichtbaren Dingen, die wir mit uns herumtragen, individuell immer wieder neu zu definieren. Auf den Arbeitsplatz übertragen, könnte das bedeuten, dass sich Standardoberflächen und -formate gezielt so kombinieren lassen, dass aus einer Auswahl gleicher Stühle, Tische und Stauräume Arbeitsplatzkonfigurationen entstehen, die in unterschiedlichen Büros unterschiedlich genutzt werden.

Durch dieses Mischen können wir die Vorteile bestimmter gleicher Dinge und die Vorteile von Auswahlmöglichkeiten ausschöpfen. Die Frage ist jedoch, wie kundenspezifische Anpassungen in der Erfüllung des Trends zu mehr Personalisierung und tieferem Sinn noch viel weiter gehen können, ohne dabei die Effizienz und die Annehmlichkeiten der vordefinierten Optionen zu verlieren.

„Im Zeitalter der Lagerware ändern wir die Dinge, nachdem sie hergestellt sind. Wir drücken unseren Dingen unseren Stempel auf.“


Das co-gestaltete Objekt

Bewirken Sie etwas.
Werden Sie ein Macher.

Im Moment erleben wir das Entstehen einer dritten Welle, die bereits einen wesentlichen Aspekt dieser neuen Art der nutzerspezifischen Maßanfertigung enthält: die Realisierung unserer individuellen Vorstellungen während der Herstellung unseres eigenen Produkts. Hierbei handelt es sich um eine sehr umfassende Beteiligung am Designprozess, sodass Objekte nicht mehr nur für uns, sondern gemeinsam mit uns entstehen. Grundsätzlich ist es in jedem Designprozess möglich, Individualisierungen vorzunehmen: durch Anpassungen einer Grundform mithilfe von Farbe, Material, Oberfläche, Größe und Form. Streichen Sie einen Raum in verschiedenen Farbtönen und er wird jedes Mal einen ganz anderen Charakter erhalten – ebenso wie Sofas mit Stoff- oder Lederbezügen oder unterschiedlich breiten und farbigen Nähten. Jede Option basiert auf dem gleichen Muster, dennoch sind die Ergebnisse individueller und sehr viel mehr nach handwerklichen Prinzipien hergestellt als das Modell von der Stange.

360 Magazine Issue 71 Office Renaissance

Worin liegt dann eigentlich der Unterschied zum Maßgeschneiderten? Zeit ist ein wesentlicher Faktor. Während das Maßgeschneiderte von Grund auf neu entsteht, beginnt diese Art der Individualisierung mit einem vorgegebenen Rahmen oder einer Plattform. Die Herstellung kann zum Teil automatisiert erfolgen, um die Fertigungsdauer zu verringern und das Produkt leichter herstellbar zu machen, ohne dabei zugleich die Individualisierungsmöglichkeiten zu opfern.

Ein anderer Faktor ist die Technik. Die moderne Ingenieurskunst hat unglaubliche Fortschritte bei den Materialien und den maschinengestützen Gestaltungsmethoden erzielt. Hinzu kommen digitale Werkzeuge, die uns so viel Herrschaft über ästhetische Alternativen eröffnen, dass der Raum zwischen dem Produkt, dem Verbraucher und überhaupt allem, was individualisierbar ist, fast völlig verschwunden ist. Die Ära der co-gestalteten Objekte ermöglicht es uns nun, fast alle Bereiche unseres täglichen Erlebens zu kuratieren: Kleidung, Autos, Urlaubsreisen und soziale Verbindungen etc. – und das oft nur mit ein paar Klicks am Computer. Das ist nicht nur beeindruckend, sondern auch eine völlig neue Art, sich einzubringen.

Wir erwarten blitzschnelle Antworten, kreative Kontrolle und letztlich auch mehr Sinn. Der Eintrittspreis hierfür ist niedriger als je zuvor, während der emotionale Einsatz gestiegen ist. Sich zu beteiligen, wird dadurch zu einer wirklich integrierenden Zukunftsaussicht für das Design – zu etwas, das in Bezug auf eine raffiniertere Maßanfertigung tatsächlich etwas bewirken kann.

Die nächste Chance liegt nun darin, diese Mitwirkung, und die damit verbundene Phantasie, Leichtigkeit und Schnelligkeit, auf die Welt der Arbeit zu übertragen. Coalesse unterstützt diese Welle der Beteiligung mit Produkten, die in kleinen Stückzahlen ebenso hergestellt werden wie in Großserien, und möchte die Design-Community dabei von Anfang an als Teilnehmer in einen kreativen, nutzerorientierten Prozess miteinbeziehen.

„Die Ära der co-gestalteten Objekte ermöglicht es uns nun, fast alle Bereiche unseres täglichen Erlebens zu kuratieren – und das oft nur mit ein paar Klicks am Computer. Das ist nicht nur beeindruckend, sondern eine völlig neue Art, sich einzubringen.“


Die neue Maßanfertigung

Wie Coalesse helfen kann

Als Designbüro aus San Francisco und weltweit tätiger Möbelhersteller beobachtet Coalesse selbstverständlich aufmerksam, wie Details und das Handwerk die Individualität von Produkten bestimmen können. „Anpassungen an kundenspezifische Anforderungen sind für uns nicht einfach nur Änderungen, sondern auch eine persönliche Beratung bei der Beantwortung von Fragen, aber auch bei der Suche nach individuellen Lösungswegen“, sagt Lewis Epstein, General Manager von Coalesse. Auf diese Weise gelingt es Coalesse, fügt er hinzu, „unser Produkt zu Ihrem Produkt zu machen“ – zusammen mit der Architektur- und Design-Community, die sich dafür einsetzt, für Zweckmäßigkeit und Komfort zu sorgen. „Durch unsere Beteiligung sparen wir Ihre Zeit und reduzieren Ihren Stress, sodass Sie sich auf das konzentrieren können, was wirklich wichtig ist.“

360 Magazin - Die Renaissance des Büros
Möglichkeiten der Maßanfertigung
Es gibt sechs Gestaltungs-Hauptkategorien, die folgende Aspekte betreffen: Oberflächengestaltung, Material, Materialeigenschaften, Größe, Form, Farbe.

„Dank der neuen technischen Tools der modernen Maßanfertigung spielen Designer zu einem immer früheren Zeitpunkt dieses gemeinschaftlichen Prozesses eine wesentliche Rolle – immer mit dem Ziel vor Augen, ihr persönliches Produkt auf Basis des unseren abzuleiten“, sagt Epstein. Coalesse unterteilt seine Anpassungsmöglichkeiten in sechs Gestaltungs- Hauptkategorien, die folgende Aspekte betreffen: Farbe & Oberflächengestaltung, Material & Materialeigenschaften sowie Größe & Form. Neue technische Hilfsmittel wie z.B. 2D- und 3D-Modelle, Kleinserien und Internetanwendungen vertiefen den Austausch und bieten nahezu unbegrenzte Gestaltungsoptionen.

Doch wie bei so vielen anderen Technologien sind digitale Hilfsmittel nicht alles. Was fehlt, ist z.B. das Wissen, wie sich ein bestimmter dehnbarer Stoff an die Kontur einer Polsterung anpasst, wo das spezielle Material für eine Tischplatte zu bekommen ist, oder einfach nur ein Mensch am Telefon, der versichert, dass die Lieferung pünktlich eintrifft. Bei maßgefertigten Möbelstücken ist die persönliche Beratung so wertvoll wie die Technik nutzbringend ist.

Erst wenn diese beiden Aspekte zusammenwirken, kommt eine wirklich umfassende Beteiligung zustande.

„Dank der neuen technischen Tools der modernen Maßanfertigung spielen Designer zu einem immer früheren Zeitpunkt dieses gemeinschaftlichen Prozesses eine wesentliche Rolle – immer mit dem Ziel vor Augen, ihre Produkte auf Basis der unseren abzuleiten.“


Case Study

Persönliche Unterstützung + Digitale Unterstützung

Mit dem Stuhl LessThanFive erforscht Coalesse das innovative Material Carbonfaser, um damit extrem leichte Möbel mit sehr hohen Gestaltungsspielräumen formen zu können. Carbonfasern kommen wegen ihres einzigartigen Festigkeits-Gewichts- Verhältnisses sehr oft bei Produkten der Automobil- und Sportindustrie zum Einsatz, sind in der Möbelbranche jedoch noch relativ unüblich.

Lessthanfive
LessThanFive Chair

Die von Designdirektor John Hamilton geführte Coalesse Design Group war von Anfang fasziniert vom Potenzial, das Carbonfasern für die kundenspezifische Maßanfertigung besitzen. Sie eignen sich außerordentlich gut für unterschiedlichste Farbaufträge, aber auch für die Realisierung hochkomplexer Oberflächengestaltungen. Verbraucher haben bereits Fahrräder auf diese Weise konfiguriert, indem sie z.B. Farbe und Gestaltung des Rahmens mit nur wenigen Mausklicks an ihre eigenen Vorstellungen angepasst haben. „Wir waren inspiriert von diesen Möglichkeiten und machten uns daran, ein leicht bedienbares Online-Tool zu schaffen, mit dem sich auch LessThanFive in nur wenigen Schritten personalisieren lässt“, erklärt Hamilton.

Die Coalesse Design Group entwickelte eine frei zugängliche App, die es allen Menschen erlaubt, ihre gestalterischen Vorstellungen in diesem individualisierten Designprozess umzusetzen.

„Die Serien LessThanFive und MoreThanFive sind Musterbeispiele des Zeitalters der Beteiligung.“

Die LessThanFive- App ermöglicht es Architekten und Designern, praktisch jede Farbe oder Farbkombination und jedes beliebige Muster zu importieren und auf den Stuhl zu übertragen. Anders jedoch als bei anderen Konfigurations-Apps zählt die Betreuung aller individualisierten Bestellungen durch das Coalesse Concierge Team zum festen Bestandteil des Angebots, um die Herstellung des Stuhls dadurch zum einmaligen Erlebnis für die Kunden zu machen.

Noch einen Schritt weiter in diese Richtung geht der zum Stuhl passende Tisch MoreThanFive, der sich gerade in der Konzeptentwicklungsphase befindet und neue Möglichkeiten beim Schaffen nutzerspezifischer Lösungen eröffnen wird. Carbonfaser-Rahmen tragen durchsichtige Glasplatten in drei Formen und Größen, wobei sich beides in Bezug auf Farbe und Gestaltung beliebig anpassen lässt. „Indem Farbe & Oberflächengestaltung sowie Größe & Form auf unzählige Arten kombiniert werden können, unterstützt diese Art der Maßanfertigung die Nutzer dabei, sich am Designprozess zu beteiligen und mit den daraus hervorgehenden Produkten kraftvolle Zeichen zu setzen“, sagt John Hamilton.

Weitere Pressemitteilungen zum Thema

HR- und Finanz-Abteilung – neu gedacht

Erfahren Sie, wie die HR- und Finanz-Teams im neuen Steelcase Learning + Innovation Center in München ihre Arbeitsumgebung neu ausgerichtet, ihr kreatives Potenzial aktiviert und ihre Arbeitsweise verändert haben.

Design Thinking im Rahmen kreativer Prozesse

Wenn wir wie Designer denken, sind wir in der Lage, die Art und Weise, wie wir Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und gar Strategien entwickeln, vollkommen zu verändern.

Kreativität aus dem Blickwinkel der Personalisierung

John Hamilton beantwortet die Frage, warum Personalisierung ein zentrales Hilfsmittel im kreativen Werkzeugkasten ist.