Gesellschaftliche Wirkung

CO2-Verbrauch senken für einen gesunden Planeten

Vor kurzem wurde über Steelcase in der Presse berichtet, als das Unternehmen CO2-Neutralität erreichte. Steelcase hat sich aber noch ambitioniertere Ziele gesetzt und plant, bis 2030 CO2-negativ zu werden.

Das 360°-Team hat mit Maeve Tropf, Supervisor of Energy, Climate and Renewables bei Steelcase darüber gesprochen, warum sich Steelcase diesem Ziel verpflichtet, welche Schritte es unternehmen wird, um es zu erreichen und wie diese Maßnahmen die wichtigsten globalen Nachhaltigkeitsziele der heutigen Zeit betreffen.

 

360°: Was bedeutet es für Steelcase in seinem Industriesegment führend im Bereich Klimaschutz zu sein? Warum ist das wichtig?

Maeve Tropf: Nachhaltigkeit ist seit langem ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur bei Steelcase. Dank des Engagements unserer Gründer sind wir heute bekannt dafür, einer der ersten Hersteller zu sein, die schon sehr früh Umweltstandards eingeführt haben.

Die Emission von Treibhausgasen in die Atmosphäre hat seit Beginn der Industrialisierung stetig zugenommen und ist einer der Hauptgründe für den vom Menschen beeinflussten Klimawandel, den wir heute erleben. In einigen Teilen der Welt leiden die Menschen bereits heute unter den Folgen des Klimawandels, wie z.B. Überschwemmungen oder extremen Hitzewellen. Die Wissenschaft bestätigt, dass sich die Zustände noch sehr viel stärker zuspitzen könnten und wir mit verheerenden Folgen rechnen müssen, die das Potenzial haben, unsere Existenz, so wie wir sie jetzt kennen, völlig zu destabilisieren, wenn wir die Emissionen nicht signifikant senken und genauso viel CO2 aus der Atmosphäre beseitigen, wie wir emittieren – in anderen Worten, wenn wir nicht alle dafür Sorge tragen, bis 2050 CO2-neutral zu erreichen.

Und obwohl unsere Erfolge unsere früheren Klimaziele weit überschreiten und wir CO2-Neutralität erreicht haben, was eine großartige Leistung für uns darstellt, sind wir uns darüber im Klaren, dass wir erst am Anfang stehen. Wir müssen noch mehr leisten, denn der Klimawandel stellt die größte globale Umweltbedrohung dar. Die Größenordnung dieser Bedrohung ist tatsächlich furchteinflößend, aber als Hersteller wissen wir auch, dass wir eine große Rolle spielen, was das gemeinsame Erreichen einer Lösung angeht und dass wir hier wirklich nachhaltig Einfluss nehmen können.

Deshalb planen wir im Verlauf der nächsten 10 Jahre unsere Emissionen in dem Maß zu verringern, das nötig ist, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Wir tun uns mit anderen Unternehmen zusammen, die in diesem Bereich eine Vorreiterrolle spielen und dasselbe Engagement an den Tag legen wie wir und hoffen, dass unser Vorgehen weitere Unternehmen inspiriert und sie darin bestärkt, es genauso zu machen.

360°: Welchen Stellenwert hat es für Steelcase, wenn das Unternehmen 2030 CO2-Negativität erreicht? Wieso dauert dieser Prozess 10 Jahre?

MT: Auch ohne, dass ein echtes Einvernehmen hinsichtlich solcher unternehmerischer Verpflichtungen in unserem Marktsegment besteht, sind wir davon überzeugt, dass man sich nur dann in Richtung CO2-Negativität weiterentwickeln kann, wenn man die schwierige Aufgabe auf sich nimmt, die Emissionen in Übereinstimmung mit Aussagen der Klimaexperten zu reduzieren. Hier gibt es keine Kompromisse.

Um dies zu erreichen haben wir uns an der Science Based Targets Initiative (SBTi) orientiert, um Best Practices und mögliche Abläufe und Maßgaben kennenzulernen, die uns helfen, eine Vorgehensweise zu entwickeln, mit der wir unsere Ziele erreichen können. Wir haben einen Kurs eingeschlagen, der kaum ehrgeiziger sein könnte. Dafür bedarf es einiger strategischer Investitionen und wir werden nicht alle Etappenziele auf einmal erreichen. Aber wir sind überzeugt, dass wir unser Ziel mit einer guten Planung innerhalb des anvisierten Jahrzehnts erreichen können.

Unsere Ziele orientieren sich an den überaus ambitionierten Empfehlungen des Pariser Klimaabkommens, um den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5° Celsius zu begrenzen. Das klingt vielleicht nicht nach viel – tatsächlich ist es allerdings enorm. Zum Vergleich: Wissenschaftler prognostizieren, dass eine Erderwärmung um mehr als 2° Celsius dramatische und verheerende Konsequenzen mit sich bringen würde. Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich um wirklich gewichtige Ziele handelt. Wir glauben, dass wissenschaftlich begründete Ziele den wichtigsten Pfeiler unserer Strategie darstellen und zu einer Reduzierung der Emissionen um 50 % bis 2030 beitragen werden.

2030 ist das Jahr, in dem wir einerseits die Verringerung unserer Emissionen erreicht haben möchten und gleichzeitig planen, CO2-Negativität zu erreichen. Beides sind bewusst gewählte Ziele. 2030 ist der Wendepunkt, an dem wir unsere Fortschritte und bis dahin getätigten Investitionen evaluieren. Wir haben zwei Möglichkeiten, unser Ziel zu erreichen: Über zusätzliche absolute Emissionsverringerungen, die zu einer besseren Energieeffizienz beitragen oder über zusätzliche Offset-Projekte zur CO2-Verringerung. Wir haben uns für die erste Variante entschieden. Offset-Projekte sind lediglich eine Kompensationsform für Emissionen, die zu unserem Handeln keinerlei Bezug hat. Für uns hat die Reduzierung unserer tatsächlichen Emissionen vor Ort Priorität – sie ist wichtig für unseren Geschäftserfolg sowie für die Umwelt.

360°: Wie möchte Steelcase sein Ziel einer 50prozentigen Verringerung erreichen?

MT: Wir haben bereits mehr als 40 Möglichkeiten identifiziert. Zum Beispiel können wir in unseren Anlagen in Zukunft LED-Beleuchtung nutzen oder zusätzliche Kontrollfunktionen und Sensoren zur Messung der Raumauslastung einführen. Oder bessere Kontrollen durchführen, um Luftaustritte aufzudecken und zu reparieren.

Wir beschäftigen uns auch mit der Möglichkeit, Energie aus erneuerbaren Quellen, wenn möglich, direkt zu beziehen, anstatt für unsere Betriebsabläufe auf fossile Brennstoffe zurückzugreifen. Zusätzlich denken wir darüber nach, ob die Installation von Solarzellen an einigen unserer Standorte Sinn macht, um auf diesem Wege saubere Energie direkt vor Ort zu erhalten. Das bedeutet zwar eine große Investition für uns, zeigt andererseits aber auch, dass wir es mit dem Naturschutz ernst meinen, und könnte deutliche CO2-Ersparnisse mit sich bringen.

360°: Sie haben mich davon überzeugt, dass Steelcase sich wirklich überaus ernsthaft einsetzt, um in den eigenen Betriebsabläufen CO2-Negativität zu erreichen. Realistisch gesehen – wie viel kann ein einzelnes Unternehmen erreichen? Und wie könnte es in Zukunft noch weitergehen?

MT: Sie haben recht. Steelcase hat zwar zahlreiche Standorte auf der ganzen Welt und mehr als 12.700 Angestellte. Dennoch sind wir im Gesamtvergleich zu allen anderen Unternehmen, die heute CO2 emittieren relativ klein. Und obwohl unsere eigenen Initiativen uns bereits einiges abverlangen, ist uns dennoch klar, dass zur Verhinderung des Klimawandels gemeinschaftliches Handeln notwendig ist.

Es stimmt auch, dass die Emissionen, die außerhalb unserer eigenen Betriebsabläufe in Zusammenhang mit unseren Produkten stehen, einen Großteil der von uns zu verantwortenden Umweltbelastung ausmachen. Deshalb beinhaltet unser Plan auch, andere dazu zu bewegen, sich uns anzuschließen.

Wir bestärken unsere Zulieferer immer wieder darin, sich eigene wissenschaftlich begründete Ziele zu setzen, da ihre Mitwirkung auch eines unserer Ziele darstellt, das wir bis 2025 erreichen möchten. Und wir werden unsere Kunden dabei unterstützen, ihre eigenen Klimaziele zu definieren – durch die Weitergabe von Best Practices, ein neues Produktangebot und neue Vereinbarungen mit Unternehmen, mit denen sie weiterhin geschäftlich tätig sein möchten.

Es geht auch um Aspekte wie Reisen – jedes Mal, wenn jemand im Rahmen seiner Arbeit Auto fährt oder fliegt, wird CO2 freigesetzt. Dasselbe gilt für die Entstehung von Müll während unserer Produktionsprozesse. Es gibt viele indirekte Emissionen, die mit unseren Geschäftsprozessen in Zusammenhang stehen und die wir aktiv entsprechend unseren Zielen reduzieren möchten. Dies geht weit über die vier Wände unseres Unternehmens hinaus.

Mit unserer proaktiven Vorgehensweise sensibilisieren wir andere für das Thema. Ob in den USA oder in anderen Ländern – wir suchen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene gezielt nach Möglichkeiten, uns einzubringen, zu lernen und gemeinsam auf globaler Ebene Fortschritte zu machen.

Es ist ein Dominoeffekt zu beobachten, was die Etablierung eines CO2-freien Wirtschaftssystems angeht. Einerseits ist uns klar, dass Steelcase allein nur bedingt erfolgreich sein kann. Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, eine wichtige Rolle spielen zu können. Unser CEO sagte es letztens ganz treffend: „Wir sind zwar ein einzelnes Unternehmen, aber als Marktführer haben wir die unternehmerische Verantwortung, uns globalen Herausforderungen zu stellen und andere dadurch zu inspirieren. Unternehmen können Vorreiter für positive Entwicklungen sein und wir hoffen, dass Sie sich uns anschließen, damit wir gemeinsam etwas Gutes bewirken können.“


Maeve Tropf leitet bei Steelcase das Team für Energie, Klima und erneuerbare Energien. Das Team ist verantwortlich dafür, die vor kurzem verkündete CO2-Strategie umzusetzen, zu der auch die Verpflichtung zur CO2-Neutralität gehört sowie ambitionierte Treibhausgas-Emissionen und die Verpflichtung, in Zukunft CO2-Negativität anzustreben.

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