Design Q+A

Design ist Schönheit. Schönheit ist Demokratie.

Odo Fioravanti über Design, Schönheit und wie der Stuhl Cavatina die Arbeitswelt ein wenig menschlicher macht.

Design is Beauty. Beauty is Democracy

Er ist, was er macht, und macht, was er ist. Design ist sein Leben. In Design legt er sein ganzes Sein und Tun. Die Leidenschaft des auch als „The Chairman“ bekannten, mehrfach ausgezeichneten Designers Odo Fioravanti ist es, durch Schönheit Gerechtigkeit in den Alltag der Menschen zu bringen. Auf dieser Philosophie basieren – von Schmuck bis hin zu Surfbrettern – alle seine Werke; selbstverständlich auch seine edlen Stühle. Mit seinem jüngsten, im Rahmen der Zusammenarbeit mit Steelcase entstandenen Stuhl Cavatina möchte er den Arbeitsplatz von heute ein wenig menschlicher machen. Wir haben mit Odo Fioravanti gesprochen, um herauszufinden, wer er ist, was ihn antreibt und wie Cavatina entstanden ist.

Odo Fioravanti

Design entdecken

Im Leben von Fioravanti gibt es keine Hobbys mehr. Solange er denken kann, macht er Dinge. Aufgewachsen in Italien auf dem Land, entwarf und baute er in der Werkstatt seines Onkels von klein auf Dinge. „Ich fühlte immer schon einen starken inneren Antrieb, selbst neue Dinge zu machen. Für mich ist das ein natürliches Verhalten, ein Bedürfnis. Es ist wirklich erstaunlich: Ich habe keine Hobbys, denn ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Der natürliche Drang zum Schöpferischen liegt der Familie Fioravanti im Blut. Die Mutter Kunstlehrerin, verbringt der kleine Odo seine Kindheit in einer Umgebung, die seine Beschäftigung mit Design und Literatur fördert und ihn ermutigt, seinen vielfältigen Interessen nachzugehen.

Sein Wunsch, Dinge selbst zu machen, bringt Fioravanti dazu, zunächst ein Studium der Ingenieurswissenschaften aufzunehmen. Doch als am Polytechnikum in Mailand Italiens erste Designhochschule gegründet wird, entscheidet er sich zu einem radikalen Wechsel. „In gewisser Weise hat Design mein Leben gerettet. Entdeckt habe ich es durch Zufall. Ich hatte immer mehr den Eindruck, dass mir bei meinem Studium nichts gelingen wollte. Als ich von der Eröffnung der neuen Designhochschule hörte, wurde mir klar, dass ich Designer werden könnte. Als Kind dachte ich, dass nur Unternehmen Dinge machen. Ich verschwendete keinen Gedanken daran, dass jemand diese Dinge zuvor entworfen haben musste.“

 

Die Begeisterung hält an

Dass Stühle heute sein Spezialgebiet sind, ist ebenfalls reiner Zufall. Nachdem Fioravanti mit dem Holzstuhl Frida für Pedrali den 22. Designpreis Compasso d’Oro ADI gewonnen hatte, wandten sich verschiedene Unternehmen mit dem Wunsch an ihn, für sie Stühle zu designen. So nahmen die Dinge ihren Lauf. Heute bringt Fioravanti es bereits auf zehn Stühle, die seinen Namen tragen. Doch dieser Erfolg ist die Frucht harter Arbeit. „Die wichtigste Lektion, die ich als Solo-Designer gelernt habe, ist, nach einer Niederlage wieder aufzustehen. Es ist nicht immer einfach, die Kraft zu finden, seine Ideen weiter voranzutreiben. Das hat mich stärker gemacht.“

Durchhalten ist schwierig. Dennoch rät Fioravanti jungen Designern, zunächst selbst Antworten auf ihre Fragen zu finden, bevor sie Rat von außen suchen. „Manche Designer suchen Menschen, die ihnen bestätigen, dass ihre Idee gut ist. Die Frage liegt jedoch oft in der Person des Designers selbst. Daher sollte dieser auch selbst die Antwort finden und an seine Idee glauben. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem, was man glaubt, und dem, was andere denken.“

 

Schönheit braucht keine Erklärung

Cavatina

„Als Designer bist du eine Brücke zwischen der Welt der von Menschen gemachten Dinge und den Menschen selbst.”

Dieses Streben nach Gleichgewicht ist das Herz der Designphilosophie von Odo Fioravanti. Die reiche Designgeschichte Italiens hat ihn Vieles gelehrt. Fioravanti vergleicht den Einsatz von architektonischer Schönheit in den Städten und im öffentlichen Raum der Römerzeit mit dem, was Design heute leisten sollte: den gewöhnlichen Menschen in ihrem Alltag Schönheit schenken und so eine gerechte, demokratische Welt schaffen. „Wer Gerechtigkeit in den Alltag der Menschen bringen möchte, muss bei der Schönheit ansetzen. Schönheit ist die Botschaft, die Design vermitteln sollte. Schönheit braucht keine Erklärung. Sie braucht keine Untertitel. Schönheit ist die Sprache, die wir alle sprechen sollten. In gewisser Weise ist Schönheit die homöopathische Medizin für unseren Alltag.“

Diese Medizin tut heute vielleicht mehr not denn je. Hightech dominiert immer mehr unser Leben, das Menschliche verkümmert. „Als Designer bist du eine Brücke zwischen der Welt der von Menschen gemachten Dinge und den Menschen selbst. Es geht darum, die richtige Mischung zu finden, eine Brücke zu bauen zwischen dem Körper und der künstlichen Welt.“

Der Designprozess von Odo Fioravanti bildet diese Verschmelzung von Technologie und Körper ab. „Mein Prozess ist ein einziges Durcheinander“, sagt er lachend, „er ändert sich ständig. Wenn ich designe, arbeite ich mit neuen Technologien und verbringe zugleich viel Zeit in der analogen Welt.“ Diese Mischung macht den kreativen Prozess unvorhersehbar, aber genau das mag Fioravanti. „In meinem Atelier herrscht ein höllisches Durcheinander. Ich kombiniere gerne die Glätte der Tech-Welt mit dem Chaos, das entsteht, wenn ich Dinge mit meinen eigenen Händen mache. Mein Atelier ist eine Welt im Fluss, in der sich die Dinge stark miteinander vermischen. Es ist unmöglich, die Dinge zu trennen.“

 

Cavatina erzählt eine menschliche Geschichte

Design is Beauty. Beauty is Democracy.

Fioravanti hat Recht: In unserem Leben haben sich die Grenzen zwischen den Welten vollständig aufgelöst. Leben ist Arbeit und Arbeit ist Leben. „Das Verhältnis zwischen Arbeit und Leben ändert sich. Jahrzehntelang waren wir bloße Werkzeuge, Zahnrädchen im Getriebe der Maschine Arbeit, und haben alles getan, um den Maschinen so ähnlich wie möglich zu werden. Aber wir können unsere menschliche Seite nicht einfach ablegen. Auch wenn wir arbeiten, bleiben wir Menschen. Diese Spannung verändert die Arbeitsumgebungen.

Cavatina ist das Ergebnis des Anspruchs, im Büro der menschlichen Seite der Arbeit wieder Raum zu geben. „Cavatina zeigt uns, wie moderne Arbeitsumgebungen aussehen sollten. Cavatina gibt es in vielen verschiedenen Versionen, sodass Menschen, die solche neuen Arbeitsumgebungen gestalten, stets den passenden Stuhl finden. Stühle sind menschlich, demokratisch, einladend. Sie werden für die Menschen, die sie jeden Tag nutzen, zu echten Weggefährten.“

Die Cavatine ist der Teil einer Oper, in dem eine Figur die Bühne betritt und sich selbst vorstellt. Oft hat sie eine starke Aussage, ist ein Versprechen dessen, was das Publikum erwarten darf. Sie ist ein Statement wie der Stuhl Cavatina, der sich in die Mission der Zusammenarbeit zwischen Fioravanti und Steelcase nahtlos einfügt: „In der Oper, ob Tragödie oder wunderschöne Liebesgeschichte, geht es immer um den Menschen. Und Cavatina stellt den Menschen wieder in den Mittelpunkt der Arbeit.“

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