Der Arbeitsplatz nach Covid-19

Welchen Einfluss hat das Büro auf unsere Arbeit?

Alfonso Jiménez’ Idee zur Zukunft der Arbeit

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„Wir sind soziale Wesen und soziale Interaktionen finden am Arbeitsplatz statt. Wir haben das Bedürfnis, anderen mitzuteilen, was wir erleben, sehen und fühlen“, sagt Alfonso Jiménez, Gründer und ehrenamtlicher Partner von PeopleMatters und Gründer und CEO von Recruiting Erasmus. Wir haben uns mit Jiménez und anderen Vordenkern auf der ganzen Welt über die Zukunft der Arbeit unterhalten. Laut Jiménez sind der physische Arbeitsplatz und persönliche Interaktionen unersetzlich, da sie Vertrauen schaffen und die Bindung der Menschen untereinander verstärken. Wir sind als Menschen auf Vertrauen und Bindungen angewiesen – egal, ob wir von zu Hause aus arbeiten oder zusammen im Büro sind.

Nachdem sie viele Monate zu Hause gearbeitet haben, freuen sich die Menschen darauf, gemeinsam an einem Ort zusammenzukommen, einander wiederzusehen und zusammen zu arbeiten. In Zukunft wird die Aufgabe des Büros vor allem darin bestehen, Menschen zusammenzubringen und eine Atmosphäre zu schaffen, die Kooperation und Innovation fördert. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen sehr anpassungsfähig sein. Jiménez erklärt, welche Schritte er für die Zukunft für wichtig hält.

Jede Krise birgt eine Chance

360º: Wie hat Covid-19 Ihren Blick auf die Zukunft Ihres Unternehmens und des gesamten Industriezweigs beeinflusst?

Alfonso Jiménez:

Unsere Beratungstätigkeit hat stark unter der Coronakrise gelitten. Jede Krise schadet der Industrie. In den letzten dreißig Jahren habe ich zwar einige Krisen miterlebt, aber diese ist anders, da sie unabsehbar war und uns mit voller Wucht getroffen hat. Keiner war darauf vorbereitet.

Ein ganz praktisches Problem, das durch die Pandemie entstanden ist, betrifft die Kommunikation. Wir mussten alle sehr schnell lernen, auf Distanz zu kommunizieren. Einige Dinge, die wir gelernt haben, werden uns auch in Zukunft noch zugutekommen. Zum Beispiel können wir einen Teil unseres Service-Angebots auch virtuell anbieten und Webinare können persönliche Treffen ersetzen.

Den Status Quo überdenken

360º: Welche Trends werden Ihrer Meinung nach bleiben und die Art beeinflussen, wie wir auf unsere Kunden zugehen?

AJ:

Ich gehe davon aus, dass unsere Kunden häufiger von zu Hause aus arbeiten werden. Vor Beginn der Pandemie haben nur 5 % der 19 Millionen Angestellten von zu Hause aus gearbeitet. In Zukunft könnten es etwa 15 % der Belegschaft sein. Die Beratungsrolle von Verkaufspersonal wird sich ändern. Interaktionen auf Distanz werden häufiger vorkommen, sodass weniger Reisen nötig sind.

Unternehmen werden ihre Geschäftsmodelle überdenken, um diese drei Elemente sinnvoll zu nutzen. Der Mensch wird in Zukunft mehr in Mittelpunkt stehen. Technologie wird sich zum integralen Bestandteil vieler Geschäftsmodelle entwickelt und wer den Anschluss an neue Technologien verpasst, wird Schwierigkeiten haben mitzuhalten. Außerdem gehe ich davon aus, dass Arbeitsumgebungen in Zukunft so angepasst werden, dass sie die Zusammenarbeit der Angestellten besser unterstützen. Eine wichtige Neuheit ist mit Sicherheit, dass sich das Berufsleben teilweise nach zu Hause verlagern wird.

„Wir erleben alle gerade mit, wie sich die drei Säulen der Wettbewerbsfähigkeit ändern:
Menschen, Technologie und Arbeitsplatz.“

Alfonso Jiménez
Gründer und ehrenamtlicher Partner von PeopleMatters

Menschen brauchen soziale Interaktion

360º: Wir haben viel dazu gelernt in der Zeit, in der wir ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet haben. Warum denken Sie, dass wir dennoch ins Büro kommen sollten?

AJ:

Ich glaube nicht, dass in Zukunft die ganze Zeit von zu Hause aus gearbeitet werden wird. Aufgaben, die ein hohes Maß an Konzentration erfordern, lassen sich gut im Home Office erledigen, vorausgesetzt, uns steht dort eine ruhige Umgebung zur Verfügung. Aber in der heutigen Zeit ist das Zusammenspiel verschiedener Teams besonders wichtig. In den letzten Monaten haben wir festgestellt, dass Besprechungen von Angesicht zu Angesicht wirklich unverzichtbar sind. Dasselbe gilt für Lernsituationen und Kundengespräche. Ich gehe davon aus, dass wir mehr von zu Hause aus arbeiten werden und das Home Office eine Ergänzung unserer Arbeitsumgebung sein wird. Dennoch kann es die Arbeitsplätze im Büro, den Unterricht vor Ort in der Schule und direkte Kontakte im Kundenunternehmen nicht ersetzen.

Vielfalt im Arbeitsleben

360º: Wie beschreiben Sie die Rolle des physischen Raums in Ihrem Unternehmen und wie unterstützt dieser die Unternehmensziele?

AJ:

In unserem Fall spielt die physische Umgebung eine Schlüsselrolle für den Erfolg, da unser Team im Unternehmen zusammenkommt. Wir arbeiten oft in einer offenen Arbeitsumgebung zusammen, führen aber auch viele Kundenbesuche durch. Für die Zukunft stelle ich mir eine Vielzahl an unterschiedlichen Bereichen vor, in denen gearbeitet werden kann. Insgesamt werden wir etwas weniger Zeit im Büro oder in den Kundenräumen verbringen und etwas mehr Zeit im Home Office. Ich gehe davon aus, dass wir 50 % der Zeit im Büro, 30 % zu Hause und 20% beim Kunden sein werden. Vorher waren es 80 % im Büro und 20 % beim Kunden.

Gründer und ehrenamtlicher Partner von PeopleMatters sowie Gründer und CEO von Recruiting Erasmus

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